| Die Alte Post |
Kufsteiner Str. 84, 83126 Flintsbach a.Inn, Ortsteil Fischbach
Die Geschichte:Im Jahre 1776 führte Generalpostmeister Fürst Karl Anselm von Taxis die Postroute München – Innsbruck durch das Inntal und richtete dazu von München aus in Peiß, Aibling und Fischbach einen „Posten“, einen Standort für Boten, Pferde und Stellwagen ein. Die Wahl Fischbach war nicht willkürlich getroffen worden. Hier saßen seit Zerstörung der Auerburg im Jahr 1745 Richter und Verwalter des churfürstlichen Pfleggerichts Audorf im eigens dafür erbauten „Landrichterhaus“, hier gab es eine „Überfuhr“, eine Fährverbindung nach Windshausen auf die andere Seite des Inns und hier wurden am Markbach, der Grenze zwischen dem churfürstlichen Gerichtsbezirk und der Herrschaft Falkenstein, Abgaben und Geleitgelder von den Fuhrleuten erhoben. Außerdem standen in Fischbach zwei Anwesen mit „Taferngerechtigkeit“, zwei Wirtshäuser, der Hofwirt und der Astner Wirt, dazu eine „Präustatt“, eine Brauerei auf dem Straußengut.
Um den Taxis`schen Posten hatte sich seinerzeit Fischbachs Bräumeister Felix Adam Scherer erfolgreich beworben. Dem gehörten neben der Brauerei noch das Aicher- und das Dräxl-Gut. 1789 hat er alles samt „Präustatt“ und Posthalterei für 18 000 Gulden an Johann Evangelist Linmayer, dem Bräumeister auf der Graf Preysing`schen Schlossbrauerei Brannenburg verkauft. Im gleichen Jahr verehelichte sich dieser Johann Evangelist Linmayer mit Regina Bauer, Huberwirtstochter zur Niederaudorf. Die Ehegatten Linmayer mehrten 13 Jahre lang ihren Wohlstand als sie ein großes Unglück traf. Am 21. März 1802 verursachten beim Astnerwirt einkehrende Innschiffer einen großen Brand, dem neben dem Linmayer`schen Anwesen fast der ganze Ort zum Opfer fiel. Stehen blieb nur das Landrichterhaus sowie der Hofwirt und das Wagneranwesen auf Falkensteiner Gebiet. Linmayer ließ noch 1802/1803 anstelle seiner drei Anwesen für 21 000 Gulden durch den Maurermeister Simon Hebestreit aus Degerndorf und den Zimmermeister Philipp Kloo aus Brannenburg den Vierseitbau der „Alten Post“ errichten. Er beherbergte die Posthalterei mit den Pferdeställen und Remisen für die Wagen, eine Ökonomie, die Brauerei mit den Lagerkellern und eine Herberge mit Gastwirtschaft, die bedeutendste im ganzen Inntal. In ihr kehrten am 22. Oktober 1822 Zar Alexander von Russland und am 3. Juni 1839 König Ludwig I. ein. Erzbischof Lothar Anselm von Gebsattel hat hier genächtigt, als er am 24. Juni 1838 die von Linmayer 1823 erbaute und an die Kath. Kirche gestiftete Johannis-Kirche in Fischbach benefizierte. Am 31. Januar 1835 verstarb Frau Regina Linmayer. 1836 übergab der kinderlose Johann Ev. Linmayer (verstorben am 10. Mai 1843) seinen Besitz nebst Posthalterei seinem Neffen Josef Linmayer. 1860 heiratete der „ehem. Landtagsabgeordnete und Landrath“ (=Oekonomierat) Franz Xaver Lehmayer aus Rosenheim, Josef Linmayers einzige Tochter Maria und wurde neuer Posthalter in Fischbach, dem allerdings mit der 1858 eröffneten Eisenbahn Rosenheim – Kufstein eine arge Konkurrenz erwachsen war. Sie war wohl der Grund, warum Franz Xaver Lehmayers gleichnamiger Sohn 1909 den ganzen Besitz an Otto von Steinbeis in Brannenburg, den Erbauer der Wendelsteinbahn veräußert hat, obwohl Fischbachs „stattliche Posthalterey“ inzwischen bei einer fidelen Künstlerschaft und vornehmen Gästen des beginnenden Fremdenverkehrs jahrzehntelang als sehr beliebte Sommerfrischse galt. Otto von Steinbeis verkauft das Anwesen 1922 an das Gastwirtsehepaar Ludwig und Walburga Greiner. Deren Tochter und Erbin Walburga heiratete den Münchner Architekten Wolfgang Haid. Von der Erbengemeinschaft Haid ging die „Alte Post“ schließlich in den Besitz der Gemeinde Niederaudorf über, von der es die Gemeinde Flintsbach a.Inn 1971 im Zuge der Neugliederung der Gemeinden übernommen hat. In den Jahren 1982 bis 1985 wurde das Gebäude unter dem damaligen Ersten Bürgermeister Anton Dopfer aus Fischbach mit einem Betrag von rd. 1 Mio. DM teilweise saniert. Ferner wurden Räumlichkeiten für die Feuerwehr Fischbach geschaffen und die Außenanlagen und der Innenhof neu angelegt. Etwa 90 % der Innenräume blieben jedoch unsaniert. Die Situation:Seit dieser Sanierung in den 80er Jahren wurden immer mehr Wohnungen durch Tod oder Krankheit der hier oftmals seit Jahrzehnten lebenden Mieter frei. Aufgrund des schlechten baulichen Zustandes waren die Wohnungen nicht mehr vermietbar. Die Bausubstanz wurde mangels Nutzung immer schlechter. Von 1990 bis Mitte 2002 wurde von der Gemeinde versucht, das Objekt zu verkaufen. Ein Käufer konnte für dieses imposante Gebäude jedoch nicht gefunden werden. Im Jahre 1994 wurde für den Ortsteil Fischbach die Dorferneuerung durch das Amt für Ländliche Entwicklung Oberbayern eingeleitet. Die Erhaltung und Wiederbelebung der „Alten Post“ war für die Dorferneuerung ein sehr wichtiges Anliegen und sie wurde als Hauptmaßnahme in den Dorferneuerungsplan aufgenommen. Eine Sanierung des alten Bauwerks war und ist das Kernstück einer gelungenen Dorferneuerung. Hierbei ist nicht nur die Erhaltung eines kulturhistorisch wertvollen Gebäudes von besonderer Wichtigkeit, sondern auch die Möglichkeit für den Ortsteil Fischbach wieder ein mit Leben erfülltes Zentrum zu schaffen. Die Umsetzung:Vor dem offiziellen Baubeginn durch die Fachfirmen im Juni 2004 wurde von den Gemeindebürgern und Federführung der beiden Bürgermeister Wolfgang Berthaler und Wolfgang Pichler rund 1000 freiwillige Arbeitsstunden erbracht. Von den Mitarbeitern des gemeindl. Bauhofes wurden während ihrer Dienstzeit rund 5000 Stunden geleistet. Diese umfangreiche Eigenleistung führte dazu, dass statt der kalkulierten 3 Mio. € nur rund 2,4 € erforderlich waren. Der heutige Objektstandard entspricht dem einer Neubaumaßnahme. Aus einem nahezu ungenutzten, nicht mehr bewohnbaren Altobjekt ist ein bauliches Schmuckstück geworden. Das Gebäude soll in den nächsten Jahren wieder zu einem kulturellen Mittelpunkt des bayerisch Inntals heranwachsen. Im September 2005 erfolgte die feierliche Einweihung des Objektes. Ohne die großzügige Unterstützung durch das Amt für Ländliche Entwicklung wäre die Sanierung dieses Gebäudes sicherlich nicht möglich gewesen. Gebäude vor der Sanierung Gebäude nach der Sanierung
Folgende Räumlichkeiten befinden sich in der „Alten Post“:Gemeindesaal mit Nebenräumen (Kellergewölbe)
Der Gemeindesaal hat eine Größe von ca. 140 m² (110 Sitzplätze). Die Räumlichkeiten einschl. komplett eingerichteter Küche, Kühlraum, Foyer und Toiletten kann für die verschiedensten Veranstaltungen (z.B. Weihnachts-, Geburtstagsfeier, Konzert) gemietet werden. (siehe Merkblatt Vermietung des Gemeindesaals) Bäckereiverkaufsladen mit Cafe
Feuerwehrgerätehaus mit Nebenräumen für die Feuerwehr FischbachSchützenstand für die Schützengesellschaft FischbachInnenhof mit Floriansbrunnen
10 Mietwohnungen, davon 2 behindertengerechtZurzeit sind alle Wohnungen vermietet. Die baulichen Maßnahmen wurden im Sommer 2005 abgeschlossen. Jetzt gilt es die „Alte Post“ wieder mit Leben zu füllen. Zum einen sind dies natürlich die Wohnungsmieter, die das Gebäude wieder beleben. Zum Anderen hat Fischbach durch den neugeschaffenen Gemeindesaal und den neugestalteten Innenhof nun größere Möglichkeiten für das dörfliche Miteinander. Im Gemeindesaal sowie auch im Innenhof finden Konzerte von Volksmusik bis Klassik und Kabarettabende statt. Zur Tradition geworden ist schon der Adventmarkt am ersten Adventwochenende! Aktuelle Veranstaltungen finden Sie unter "Veranstaltungen"! |